Auflastung

Wohnwagen Auflastung

Was bedeutet überhaupt Wohnwagen auflasten?

Genau wie PKW oder Wohnmobile, hat auch ein Wohnwagen ein, im Fahrzeugschein eingetragenes, zulässiges Gesamtgewicht.

Dieses zulässige Gesamtgewicht gibt an, wie schwer der Wohnwagen inkl. Beladung im Betrieb maximal sein darf.

Sofern die technischen Voraussetzungen dafür erfüllt sind, kann man die Eintragung des zulässigen Gesamtgewichts in den Fahrzeugpapieren nach oben anpassen lassen und das wird dann als Auflastung oder eben Wohnwagen auflasten lassen bezeichnet.

Kann man jeden Wohnwagen auflasten lassen?

Prinzipiell ist es natürlich fast immer möglich, einen Wohnwagen auflasten zu lassen, allerdings ist das technisch und finanziell nicht immer sinnvoll.

Ist der Wohnwagen technisch ab Werk schon für ein höheres, zulässiges Gesamtgewicht ausgelegt, als in den Fahrzeugpapieren eingetragen, dann lässt sich der Wohnwagen beispielsweise ohne Probleme auf das technisch maximal zulässige Gesamtgewicht auflasten.

Schwieriger und auch teurer wird es, wenn die Komponenten des Fahrgestells oder das Fahrgestell selbst nur bis zum aktuell eingetragenen Gesamtgewicht zugelassen sind.

In dem Fall müssen entweder einzelne Fahrwerkskomponenten oder sogar das komplette Fahrgestell des Wohnwagens getauscht werden, um eine Auflastung des Wohnwagens zu erreichen. Dabei entstehen entsprechend höhere Kosten durch die Umrüstung des Caravans.

Wann macht eine Auflastung Sinn?

Während man beim Neukauf eines Wohnwagens heutzutage bei vielen Herstellern ein Wiegeprotokoll erhält, auf dem das tatsächliche Leergewicht des Wohnwagens vermerkt ist, weiss man bei gebrauchten Wohnwagen meist nicht, wie hoch das Leergewicht des Wohnwagens ist und wie hoch die Differenz zwischen Leergewicht und zulässigem Gesamtgewicht, also die Zuladung, ist.

Nicht selten ist der Schock groß, wenn man dann mit dem reisefertigen Wohnwagen auf eine Waage fährt und feststellen muß, dass der Wohnwagen um 100kg oder mehr überladen ist.

Besonders häufig passiert das bei Fahrzeugen, die nachträglich noch mit schwerem Zubehör, wie einem Mover, Satanlage, Klimaanlage oder einem Fahrradträger ausgestattet wurden.

Glück hat, wer einen Wohnwagen besitzt, bei dem das Fahrgestell und die Achse ab Werk auch für ein höheres, zulässiges Gesamtgewicht zugelassen ist – dann lässt sich nämlich relativ einfach eine sogenannte Dokumentenauflastung des Wohnwagens durchführen, ohne technische Veränderungen vornehmen zu müssen.

Welche Möglichkeiten zur Wohnwagen Auflastung gibt es?

Grundsätzlich kann man vier verschiedene Stufen oder Varianten einer Auflastung beim Wohnwagen unterscheiden.

Dokumentenauflastung

Die einfachste und auch günstigste Variante zur Auflastung eines Wohnwagens ist die Dokumentenauflastung.

Diese kann immer dann vorgenommen werden, wenn das Fahrzeug ab Werk schon für ein höheres zulässiges Gesamtgewicht ausgelegt ist, als in den Fahrzeugpapieren eingetragen wurde.

Um eine Auflastung vorzunehmen, kannst Du dir vom Hersteller des Wohnwagens eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen lassen. Dazu kannst Du den Hersteller selbst kontaktieren, oder Deinen Händler Händler bitten, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung anhand der Fahrgestellnummer beim Hersteller zu beantragen.

Mit dieser Unbedenklichkeitsbescheinigung kann die Änderung dann beim TÜV, der Dekra oder einer anderen Fahrzeugprüfstelle abgenommen werden.

Die Änderung der Fahrzeugdaten muss dann noch bei der zuständigen Zulassungsstelle in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden und damit ist die Auflastung erledigt.

Durch eine Dokumentenauflastung lässt sich in der Regel eine Erhöhung der Zuladung des Fahrzeugs um 100-200 kg erreichen. Dabei solltest Du mit Kosten zwischen 200,- und 300,- Euro rechnen.

Austausch der Federungselemente

Falls eine Dokumentenauflastung bei deinem Wohnwagen nicht möglich oder ausreichend ist, kann als zweite Stufe der Wohnwagen Auflastung der Austausch der Federungselemente eine Option sein.

Dazu solltest Du wissen, von Welchem Hersteller das Chassis bzw. Fahrgestell deines Wohnwagens ist. Falls dir diese Information fehlt, gibt dir der Hersteller deines Wohnwagens Auskunft darüber.

Beim Hersteller des Fahrgestells kannst Du dich dann informieren, ob für dein Modell härtere bzw. stärkere Federungselemente verfügbar sind, durch die sich das zulässige Gesamtgewicht erhöhen lässt.

Da in diesem Fall Teile des Fahrgestells ausgetauscht werden müssen, sind die Kosten für eine Auflastung durch des Austausch der Federungselemente höher, als bei einer Dokumentenauflastung. Du solltest bei dieser Variante mit Kosten von 400,- bis 900,- Euro rechnen. Der bürokratische Aufwand ist ansonsten identisch mit der Dokumentenauflastung und auch hier lassen sich in de Regel Auflastungen von 100 bis 200 kg realisieren.

Austausch von Fahrwerkskomponenten

Die dritte Variante der Auflastung eines Wohnwagens ist der Austausch von Fahrwerkskomponenten.

Wenn die beiden vorigen Varianten nicht ausreichen oder nicht möglich sind, können einzelne oder mehrere Fahrwerkskomponenten ausgetauscht werden, zum das zulässige Gesamtgewicht zu erhöhen.

Bei dieser Variante gibt es, je nach Hersteller und Modell, viele verschiedene Möglichkeiten: Dazu zählen z.B. der Austausch von Holmen, der Achse, der Austausch der Traverse oder einzelner Rahmenteile oder Änderungen der Bremse, der Stoßdämpfer und der Auflaufeinrichtung.

Auskunft erteilt Dir auch hier der Hersteller des Fahrgestells.

Bei dieser Variante lassen sich, je nach Aufwand, Erhöhungen des maximalen Gesamtgewichts von 100 bis 400 kg realisieren. Dafür liegen die Kosten aber auch deutlich höher: Du solltest mit 1.500,- Euro bis ca. 3.000,- Euro rechnen (abhängig vom Modell und der gewünschten Auflastung).

Austausch des gesamten Fahrwerks

Der Austausch des kompletten Fahrgestells ist die letzte und auch aufwändigste Methode zur Auflastung eines Wohnwagens – quasi die Ultima Ratio.

Diese Variante kommt dann in Frage, wenn die vorigen Methoden nicht ausreichen, oder z.B. das Fahrgestell wegen einer Beschädigung getauscht werden muss. Der komplette Aufbau des Wohnwagens wird dabei vom Fahrgestell getrennt und auf dem neuen Fahrgestell wieder montiert.

Da man dabei im Ganzen auf ein wesentlich stabileres Fahrgestell wechseln kann, sind Auflastungen von 300-500kg möglich. Allerdings ist diese Variante auch die mit Abstand kostenintensivste Lösung zur Auflastung eines Wohnwagens und nur in seltenen Fällen wirtschaftlich sinnvoll.

Du solltest für den Wechsel des Fahrgestells mit Kosten von 4.000,- bis 6.000 Euro kalkulieren.

Welche Angaben brauche ich für eine Auflastung?

Um deinen Wohnwagen auflasten zur lassen, benötigst du einige technische Daten zu deinem Modell, damit der Hersteller des Wohnwagens bzw. des der Hersteller des Fahrwerks dir die nötigen Informationen für eine Auflastung geben kann.

Benötigte Angaben zum Wohnwagen

Benötigte Daten zum Fahrgestell

  • Typ bzw. Modell der Achse (das Typenschild der Achse findest du meist mittig an der Achse)
  • Typ und Modell der Auflaufeinrichtung
  • Reifenspezifikationen: Reifentyp, Größe und Traglast

Was kostet eine Auflastung beim Wohnwagen?

Da der Preis für eine Auflastung am Wohnwagen sehr stark vom Wohnwagen Modell bzw. den technischen Voraussetzungen abhängt, können wir hier nur grobe Richtwerte für die einzelnen Varianten angeben.

Beim Hersteller AL-KO gibt es zum Beispiel im Kundencenter eine spezielle Seite mit einem Formular zur Anfrage für eine Wohnwagen Auflastung. Wenn Dein Wohnwagen mit einem Fahrgestell der Firma AL-KO ausgestattet ist, kannst Du im AL-KO Kundencenter eine Auflastung anfragen.

Kommen wir zu den ungefähren Kosten für eine Auflastung beim Wohnwagen:

  • Preis für eine Dokumentenauflastung: Je nach Hersteller und Modell solltest Du mit ca. 200,- bis 300,- Euro rechnen
  • Preis für den Austausch der Federungselemente: Falls sich Dein Wohnwagen durch den Austausch von Federungselementen auflasten lässt, musst du mit Kosten von ca. 400,- bis 900,- Euro rechnen (Einachser sind dabei günstiger umzurüsten als Wohnwagen mit Tandemachse).
  • Preis für den Austausch von Fahrwerkskomponenten: Wenn für eine Auflastung einzelne oder mehrere Teile des Fahrgestells ausgetauscht werden müssen, solltest Du mit Kosten zwischen 1500,- und ca. 3000,- Euro rechnen.
  • Austausch des kompletten Fahrgestells: Eine Auflastung durch Austausch des kompletten Fahrwerks ist die aufwändigste und auch teuerste Lösung. Hier solltest du Kosten im Bereich von 4.000,- bis 6.000,- Euro einkalkulieren.

Neben den Kosten für die Auflastungsunterlagen bzw. Arbeiten, kommen noch die Kosten für die technische Abnahme beim TÜV, der DEKRA oder einem anderen technischen Überwachungsverein hinzu. Hier liegen die Kosten in den meisten Fällen zwischen ca. 40,- und 100,- Euro.

Zusätzlich muss noch eine Eintragung in den Fahrzeugpapieren bei der zuständigen Zulassungsstelle erfolgen. Dafür kannst Du mit Kosten im Bereich von 80,- bis 100,- Euro rechnen.

Manche Anbieter berechnen auch einen Pauschalpreis für die technische Umrüstung, die Abnahme und die Eintragung in die Fahrzeugpapiere. Hier solltest Du auf jeden Fall die Preise vergleichen und dich vorher über die Kosten der einzelnen Punkte für Deinen Wohnwagen informieren.

Welche Vor- und Nachteile hat das Auflasten eines Wohnwagens?

Auf den ersten Blick mag eine Auflastung des Wohnwagens ausschließlich Vorteile mit sich bringen. Durch die erhöhte Zuladung hat man z.B. die Möglichkeit, weiteres Zubehör am Wohnwagen zu verbauen und man muss bei der Beladung nicht bei jedem Teil abwägen, ob man dafür noch ausreichend Kapazität hat bzw. welches Urlaubsgepäck besser im Zugfahrzeug untergebracht wird, um Gewicht im Wohnwagen zu sparen.

Auf der anderen Seite kann eine Auflastung aber auch Nachteile mit sich bringen:

Hat dein Wohnwagen zum Beispiel eine 100er Zulassung und das zulässige Gesamtgewicht übersteigt nach der Auflastung das Leergewicht Deines Zugfahrzeuges, dann ist die 100er Zulassung für die Gespannkombination hinfällig. Für eine 100er Zulassung muss nämlich das Leergewicht des Zugfahrzeugs höher sein, als die Zulässige Gesamtmasse des Wohnwagens.

Während man mit maximal 80 statt 100 km/h einfach nur etwas später am Urlaubsort ankommt, kann es aber auch weitaus unangenehmere Folgen haben, einen Wohnwagen auflasten zu lassen.

Diese betreffen in erster Linie Fahrer mit einem Führerschein der Klasse B. Wer eine Fahrerlaubnis der Klasse B besitzt, darf Gespanne fahren, bei denen das Zulässige Gesamtgewicht von Zugfahrzeug und Wohnwagen zusammen maximal 3.500kg beträgt.

Habt ihr z.B. ein Auto mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 2.000kg und einen Wohnwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 1.500kg, welcher auf 1.600 kg aufgelastet wird, dann darf diese Gespannkombination nicht mehr mit dem Führerschein Klasse B gefahren werden. In dem Fall kommen zu den Kosten für die Auflastung noch die Kosten für ein Upgrade auf Führerscheinklasse B96 oder bei Gespannen über 4.250kg Zuggesamtgewicht auf die Führerscheinklasse BE.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Führerscheinklassen findest Du in unserem ausführlichen Beitrag über Führerscheinklassen.

Tipp: Welchen Führerschein Du für ein bestimmtes Gespann benötigst, kannst Du mit unserem Gespann-Rechner für Führerscheinklassen mit wenigen Klicks ermitteln.

Die Vor- und Nachteile einer Wohnwagen Auflastung im Überblick:

Vorteile:
  • erhöhte Zuladung
  • Möglichkeit weiteres Zubehör zu montieren
  • stressfreies Packen des Wohnwagens

Nachteile:

Der umgekehrte Weg: Wohnwagen ablasten lassen

Deutlich seltener als eine Wohnwagen Aauflastung, wird der umgekehrte Weg nachgefragt: eine Ablastung eines Wohnwagens.

Auch eine Ablastung des Wohnwagens oder des Zugfahrzeuges kann in bestimmten Situationen sinnvoll oder nötig sein. Alle Infos findest du in unserem ausführlichen Lexikon Beitrag zur Ablastung.

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